Textkrieg

Munition & Mädchenzöpfe

Erfolgreiche Frauen und das Impostor Syndrom

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Als ich das erste Mal vom Impostor Snydrom gelesen habe, das übrigens besonders häufig bei Frauen anzutreffen ist, fiel eine große Last von mir. Offiziell war ich nun also nicht verrückt und meine Selbstzweifel, die regelmäßig zwischen "Genie" und "Faker" wankten, hatten nun eine psychologische Bezeichnung. Die Gewissheit, dass das Syndrom besonders bei Frauen auftritt, hat mich in meiner Selbsteinschätzung und in den Bewertungen meiner Leistungen positiv beeinflusst.

Guess what? You're not faking it!

Was ist also das Impostor Syndrom?

“Impostor syndrome” is that feeling where — even if you get good grades, good jobs, accomplish things, have special talents, and people compliment you — you feel like you’re tricking everyone and you’re actually not good at anything."

Übersetzt heißt das, dass das Impostor Syndrom sich durch das Gefühl bemerkbar macht, man hätte Erfolge, den Job oder gute Dinge, die einem widerfahren, nicht verdient, denn die eigenen Leistungen fühlen sich für Betroffene immer nur an wie ein riesiger Fake oder Bluff.

I’d replaced someone else on the panel, so in a way I was an imposter. But even as I spoke to the 100 assembled women, I had to bite my tongue to stop myself putting my (small) achievements in life down to luck and happenstance, rather than hard work. I still didn’t feel like I deserved to be on that stage.

In dem Blog 21 hilfreiche Tipps für den Umgang mit dem Imposter Syndrom gibt es einige hilfreiche Vorschläge für Menschen, die zu ähnlichen Gedanken- und Bewertungsmustern neigen, um ihr Leben nachhaltig zu verbessern. Ich habe mir die Punkt vorgenommen und die Liste etwas auf ihre Tauglichkeit hin modifiziert. Im Folgenden findet ihr also ein paar gute Tipps:

Die Bilder stammen übrigens aus diesem tollen Buzzfeed zum Thema:
13 Charts That Will Make Total Sense To People With Impostor Syndrome

1. Sich selber nicht so wichtig nehmen

Lasst den Glauben los, dass ihr etwas Besonderes seid! Jeder Erfolg ist Produkt eurer Arbeit, genau wie es bei jedem anderen Menschen auch der Fall ist. Es gibt keine Sonderrolle von Menschen, deren Erfolg nur dem Zufall oder dem Glück zuzuschreiben ist.

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2. Akzeptiert, dass ihr eine Rolle in eurem Erfolg spielt!

Natürlich spielt auch "Glück" oder "Zufall" für euren Erfolg eine Rolle, aber vergesst nicht, dass eure Person nicht anhand eines einzigen Erfolges messbar ist, sondern das Produkt eines lebenslangen Prozesses, dessen Protagonist man selber ist. Alle Handlungen gehen auf die eigene Person und ihre Entscheidungen zurück. Man hat den eigenen Erfolg also geformt und bestimmt. Man hat etwas getan.

3. Lob und Anerkennung annehmen

Jedes Mal wenn jemand ein Lob ausspricht, gilt es dieses wahrzunehmen und stärker zu gewichten als der eigene Impuls die Leistung nicht als verdient anzuerkennen.

4. Hört auf euch zu vergleichen!

Sich mit anderen zu vergleichen ist eine Falle für Menschen, die unter dem Impostor Syndrom leiden, denn der Vergleich wird nie positiv für das eigene Selbstbild ausgehen, denn machen wir uns nichts vor, euer Leben ist nicht das beste Leben der Welt, ihr seid nicht die Schönsten und da draußen laufen schrecklich viele Leute rum, die vielleicht intelligenter und leistungsfähiger sind als ihr. Verpflichtet euch lieber dazu eure eigenen Umstände und die Ausgangsposition zu akzeptieren und von dieser Position aus sein euer bestes Ich zu zeigen. Nämlich jenes, das für euch machbar und realitisch ist.

5. Es ist das Impostor Syndrom, es bist nicht du!

Kognitiv ist schon viel gewonnen, wenn wir uns in solchen Situationen oder in Momenten mit großem Selbstzweifel sagen, dass wir dazu neigen Erfolge und Leistung durch das verzerrte Bild zu sehen, das sich Impostor Syndrom nennt.

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6. Sich irren macht dich nicht zu einem Betrüger!

Ein Fehler stellt weder deine gesamte Person, noch deinen Job, noch deine bisher erlebten Erfolge in Frage. Jeder Mensch macht Fehler oder irrt sich, es ist entscheidend aus diesen Fehlern zu lernen und sie als selbstverständlichen Teil eines Prozesses zu akzeptieren.

7. Bemerken, dass Zurückhaltung auch bedeutet den anderen etwas vorzuenthalten

Wer permanent das Gefühl in sich trägt, im Job, in der Familie oder im Freundeskreis nicht ausreichen zu können, entzieht die Möglichkeit für andere da zu sein, im Job etwas zu leisten oder jemanden mit den eigenen Fähigkeiten zu unterstützen.

8. Du wirst sterben!

Nach dem derzeitigen Stand der Medizin müssen wir alle sterben. Auch du. Schade wäre es nur, wenn du dein ganzes Leben damit verbracht hättest zu glauben, dass du ein Betrüger und Hochstapler bist, anstatt Dinge voran zu bringen, sich weiterzuentwickeln, Fehler zu machen, etwas richtig zu machen und Erfolge zu haben, die du verdient hat.

9. Sag was du kannst!

Wir erleben es immer wieder, dass wir durch andere in die Rolle eine Experten gedrängt werden, sei es bei Vorträgen, in Texten oder im Reallife. Wir glauben, dass Menschen in diesen Situationen von uns erwarten alles zu wissen. Lückenlos. Menschen ohne Impostor Syndrom neigen in diesen Situationen zum Bullshitting. Das ist unser gutes Recht und eine Fähigkeit, die auch du erlernen und anwenden kannst. Falls wir mal wieder etwas nicht wissen, gilt es nicht direkt zu verzeifeln und sich selbst in Frage zu stelle, sondern die Lücke zwar offen zuzugeben, aber gleichsam ehrlich anzuerkennen, dass dies nicht unsere Rolle gefährdet, sondern lediglich einer von vielen Bausteinen von Leistung, bzw. Profession ist.

10. Keiner weiß was er tut

Firmen gehen bankrott. Start-Ups werden gegründet und aufgelöst. Mal verliert man seinen Job. Mal gehen Beziehungen in die Brüche. Niemand kann mit Sicherheit die Zukunft vorherbestimmen und somit fehlerlos und ständig erfolgreich handeln. Die Inklusion von Fehlern in den eigenen Persönlichkeitsprozess ist wichtig, denn deren Existenz ist unausweichlich.

11. Authentizität ist für den Arsch!

Das Impostor Syndrom vermittelt einem das Gefühl, das man nie authentisch wäre. Man hat das Gefühl Leistung nur "vorzuspielen" und eigentlich ein Lügner zu sein. Das ist Blödsinn, denn man verändert sich fortlaufenden. Mit seinen Eltern spricht man anders als mit seinem Freund. Heisst das nun aber direkt, dass man nicht authentisch ist? Meinungen ändern sich im Laufe der Zeit. Bestimmte Denkmuster treten nur in bestimmten Rollen auf, die man im sozialen Leben einnimmt. Man bleibt man selbst. Mal ist man Kind. Mal Freundin. Mal Mutter. Mal Chef.

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12. Lacht über euch!

Eine Person zu finden, der man erzählen kann, dass man Impostor Syndrom hat und zu welchen Gedanken dies führt, kann eine große Hilfe sein. Zusammen über die Absurdität der Gedanken zu lachen und somit die eigene Denke einer Art Realitätsabgleich zu unterziehen, das heilt. Ebenso über sich selber zu lachen oder die störenden Gedanken auf Papier zu bringen und einige Zeit später nochmal zu lesen.