Textkrieg

Munition & Mädchenzöpfe

Menschen: Carmen

 

Carmen ist Lehrerin. Im Referendariat. Sie hatte sich damals entschieden. Ein Beruf mit Zukunft? Ja, und dabei mit jungen Menschen was machen, das ist Carmens Ding. Die kann man ja nicht einfach so auf der Straße sitzen lassen. Zusatzausbildungen. Kurse über kreatives Schreiben. Mein Job ist meine Welt, sagt Carmen und lacht. Hahahaha statt Hihihi, denn sie ist keine von "diesen Mädchen". Carmen kommt durch ihren Charakter immer gut an. Bodenständig und sozial. Das kommt vom Aufwachsen in einer Großfamilie, sagt sie und zwinkert ihrem Freund zu. Der ist Einzelkind, aber das ist nicht schlimm, denn sie ergänzen sich super.


 

Carmen mag Musik und Parties. Es gibt mehr im Leben als ihre Arbeit, sagt sie. Und trotzdem hat sie das letzte Jahr kein einziges Mal gefehlt. Was muss das muss. Zu ihren Geschwistern hat sie ein gutes Verhältnis. Ihr Bruder ist Künstler und macht Holzschmuck, den sie total süß, aber etwas gewagt findet. Sie erzählt gerne von ihren Urlauben. Denn das Leben ist mehr als daheim rumsitzen, sagt sie, wenn die Mädelsrunde sich bei ihr trifft um amerikanische Serien zu gucken. In Originalsprache, sonst geht da so viel verloren.  Nach dem zweiten Glas Weißwein erzählt sie dann gerne, wie sie mal auf der Frankreichexkursion im Studium einen Franzosen geküsst hat. Aber jetzt hat sie ja Henning. 


 

Carmen ist in jeder Gruppe unverzichtbar. Das macht sie einzigartig. Sie opfert sich gerne auf und sieht wo Not am Mann ist. Ob jemand etwas mitgebracht haben möchte, sie geht nun einkaufen. Carmen würde am liebsten in einer WG wohnen, aber das geht nicht, denn ihr Freund und sie sind nunmal zusammen und was besseres hätte ihr nicht passieren können. Henning. Zeit zu zweit ist wichtig. Gemeinsam einen guten Film gucken, schön etwas Ausgefallenes kochen. Auch gerne ab und zu etwas Ungesundes, lacht sie, aber nur manchmal. 


 

Carmen hat hellbraune Haare, sie hatte auch mal Strähnen und einen Pony, aber sie ist stolz auf ihre Naturlocken und ihre Augen wechseln bei Lichteinfall die Farben. Ihre Eltern hätten manchmal gewitzelt sie sei adoptiert, raunt sie verschwörerisch, denn sie ist sicher, dass sie es nicht ist, denn die Familie verbindet so viel. Alle vier Wochen geht es heim. Das ist selten. Aber Henning kommt ja mit, denn der gehört irgendwie auch zur Familie, sagt sie stolz. Etwas besonderes ist sie schon, denn sie macht etwas aus ihrem Leben und ist dabei immer für andere da. Denn sonst, so sagt sie, kann sie selber nicht glücklich sein.


 

Ihr Freund Henning ist ein Lieber. Carmen ist nicht eifersüchtig, denn sie weiß, wie viel sie ihm bedeutet. Die beiden sind seit vier Jahren ein Paar und man kennt sie auch nur zusammen. Ausser beim Mädelsabend. Da will sie etwas alleine machen und was beim Mädelsabend besprochen wid, bleibt auch unter den Mädels. Carmen redet dort trotzdem nie schlecht über Henning, denn die beiden sind glücklich und das sieht man auch. Sie wäscht Hennings Klamotten, sie kocht, obwohl er nie darum gebeten hat. Umso toller, dass sie alles einfach so macht. Sie erwartet keineGegenleistung.


 

Manchmal gehen die beiden auf ein Konzert. Indie. Das hört man jetzt im Freundeskreis. Mit Wollmütze, aber diese engen Hosen trägt sie nicht. Man muss nicht jeden Trend mitmachen. Obwohl sie sportlich ist, denn sie isst nicht einfach, sie ernährt sich gesund. Sport muss sein. Manchmal läuft in der Schule nicht alles so wie sie es will, aber das gehört dazu, das weiß sie genau. Beim Sport kann sie den Tag Revue passieren lassen und sich verausgaben.


 

Carmen beschwert sich nicht. Uns geht es doch in Deutschland eigentlich sehr gut. Den anderen geht es viel schlechter, sagt sie, uns schickt eine SMS ab um 5 Euro für die Elfenbeinküste zu spenden. Das ist doch eine Welt und sie fühlt sich verantwortlich und möchte ihr Glück gerne teilen. Aber Carmen ist kein Mitläufer. Carmen ärgert vieles. Sie hat eine starke Meinung zu Atomkraft, Kennzeichnungspflicht bei Lebensmitteln und Tierquälerei und vertritt sie. Man kann nur die Grünen wählen, alles andere ist unvernünftig. Schließlich will sie eine gute Welt für ihre Kinder. Henning möchte noch keine. Sie auch noch nicht. Sie ist keine von diesen Frauen, die sich für ihre Kinder opfern. Es gibt für alles den richtigen Zeitpunkt im Leben und der wird kommen. Kinder sind trotzdem toll, aber sie würde nie einfach so fremde Kinder anfassen, denn sie weiß, wie das für die Eltern ist. Also wartet sie, bis man es ihr anbietet. Mit Kindern kann sie gut und mit Tieren. Haustiere kann sie leider nicht haben, denn sie ist allergisch, was schade ist, sagt Carmen.


 

Carmen liebt es ausgelassen zu tanzen. Einfach die Augen schließen und sich rundum wohlfühlen, das schwappt direkt auf andere über. The Kooks, Franz Ferdinand und die Beatsteaks. Das gefällt nicht jedem, sagt sie, aber es ist ihr egal. Ihren Fernseher benutzt sie nicht mehr. Das verblödet und es ist schrecklich, dass so viele Menschen ihre Zeit damit vergeuden. Sie würde niemandem vorschreiben, was er zu tun und zu lassen hat. Aber schade ist es, denn die Zeit kann doch schließlich für schöne Aktivitäten genutzt werden, findet Carmen. Es ist so nett abends im Bett zu liegen und zu wissen, was man alles erlebt hat. Ihr Freund Henning kuschelt sich von hinten an sie. Dann kann sie sich sicher fühlen, obwohl sie sich auch ohne ihn sicher fühlt, denn ohne diese Gewissheit kann eine gute Beziehung nicht funktionieren, findet Carmen.


 

Einmal hat Carmen etwas gestohlen, das kam aber nie wieder vor. Trotzdem, Kinder sind so und sie hat aus ihren Fehlern gelernt und ihrer Mutter die 50 Cent weinend zurückgegeben. 

 

Carmen hat auch schon mal an einem Joint gezogen. Das kann man manchmal machen, meint sie. Aber nur mit den richtigen Leuten und auch nur selten. Sie hat gesehen, wie es manchen Leuten geschadet hat. Henning mag auch kein Bier und Carmen mag Henning. Ein Glas Wein am Abend und sonntags Tatort mit Freunden in der kleinen süßen Eckkneipe mit den urigen Besitzern.


 

Vorratsdatenspeicherung findet Carmen gar nicht gut. Da unterschreibt sie auch gleich und redet viel mit ihren engsten Freunden über die Thematik. Man muss sich mit Politik und Zeitgeschehen beschäftigen findet Carmen, aber der Nahostkonflikt ist schon heikel, das muss man differenziert sehen.


 

Carmen hat ein paar enge Freunde. Das reicht ihr absolut, sagt sie im ernsten Tonfall. Freundschaften müssen erst entstehen, ständig gepfelgt werden und halten dann meist ein Leben lang. Ihre beste Freundin kennt sie seit der Schule, und obwohl sie in unterschiedlichen Städten studiert haben, sind sie immer beste Freundinnen geblieben, die sich gerne über ihren Job, den Johanna ist auch Lehrerin, unterhalten. Ihre anderen guten Freunde hat sie im Studium kennengelernt. Was für eine erlebnisreiche Zeit.


 

Carmen mag Pistazieneis. Ein bisschen ausgefallen, wie sie selbst. Am liebsten vor ihren häufigen Kinogängen. Anspruchsvolle Filme und gerne auch mal Beziehungskomödien. In einer guten Beziehung muss man auch lachen können, glaubt Carmen und bezieht ihr Doppelbett mit getrennten Matratzen neu. In weiß. Aber Hennings Seite in Blau, denn der schwitze immer so. Über dem Bett hängt ein "Wenn das Leben dir Zitronen gibt, mach Limonade daraus!" Plakat, das beide ausgesucht haben.