Textkrieg

Munition & Mädchenzöpfe

Platzrebellen

"Beim Vulkan braucht man entweder sieben oder einen Schlag!" pflegte mein Vater zu sagen und es stimmt. 

 

Auf dem Minigolfplatz zeigen Menschen ihr wahres Gesicht. In erster Linie handelt es sich um  Renter, Renter mit Enkelkindern, Renter, die dort arbeiten, Rentnergruppen und aber auch vereinzelte Quality-Time-Pärchen. Der Minigolf-Quickie kostet irgendwas um die 2,90 Euro und beinhaltet eine Runde mit 21 Bahnen. Es darf jede Bahn nur ein Mal gespielt werden. Da ist man streng. 

 

 

Schmerzlich ließ uns die eingesessene Minigolfgemeinde spüren, dass wir Neuankömmlinge zwar das Geld für die Renovierung der Freischlagbahn einbringen, aber uns gefälligst in das Reglement der deutschen Minigolf-Platzordnung einzufügen zu haben. Wer auffällt verliert. Ich spürte eine Stunde lang die Blicke der Ballsportler im Nacken. Beim Minigolfspielen ist es immer über 30°C.

 

Es gibt zwei Dinge, die mich ängstigen: Frühmorgens im Schwimmbad aus Versehen eine Bahn zu benutzen, die schon ein Renter beschwimmt oder beim Minigolf die Bahnen in falscher Reihenfolge zu bespielen. 

 


In Deutschland gilt man als Rebell, wenn man auf dem Minigolfplatz die Bahnen in falscher Reihenfolge bespielt.

 

Leider ist es mir nicht möglich mich beim Minigolfspielen als guter Verlierer zu zeigen. Ich bin dort um zu gewinnen. Niemand bezahlt  2,90Euro um zu verlieren und niemand hat den Platz ohne Eis zu verlassen. Die Bahnen werden mit unserem Ehrgeiz und unserer Fettsucht finanziert.

 

Minigolf gibt es dort jetzt auch als Tischvariante. Keine Ahnung was das soll. Fühlt sich aber an, wie das Gerücht, dass Schokoladenweihnachtsmänner zu Schoko-Osterhasen eingeschmolzen werden. Ich spüre nichts mehr. Am liebsten möchte ich gehen. Ist denn auf nichts mehr Verlass, frage ich mich. Dann scheitere ich mit 7 Schlägen am Vulkan und alles ist wieder gut.

 

 

Es gibt den Typ Mensch, der Bahnen entweder mit ein oder zwei Schlägen spielt oder in die vollen 7 haut. Erklären kann man das nicht. Ich nenne es das Martin Semmelrogge Phänomen (MSP):

 

" Beides gehört zum Leben dazu. Nur wer volle Fahrt nach unten rauscht, hat den nötigen Schwung, wieder ganz nach oben zu kommen." (Martin Semmelrogge)

 

 

Wer fürchtet sich nicht eine der schlecht erhaltenen Bahnen zu betreten, auf denen in schwarzen Großbuchstaben steht, dass Betreten aber sowas von verboten ist? Der Besitzer könnte ausrasten und einem später kein Calippo verkaufen. Die anderen Minigolfer würden mit Abscheu reagieren. Mir kommt wieder der Gedanke, dass ich eigentlich gerne gehen möchte. Minigolf ist ein harter Sport.

 

Eine Stunde später denkt man darüber nach, welche Bahn man als Obdachloser als Toilette benutzen könnte. Und dann sind die Bahnen auch schon gespielt und man hat nur eine Runde bezahlt und ist ein bißchen froh, wenn man wieder gehen darf. 

 

 

Am benachtbarten Kinderspielplatz positioniere ich mich gegenüber der Schaukel und schaue einer 60Jährigen beim Schaukeln unter den Rock.