Textkrieg

Munition & Mädchenzöpfe

Zwischen Frustration und Freiheit

Mein Nagel ist schon einige Zeit eingerissen. Keine Ahnung bei welcher meiner zahlreichen beschissenen Aktivitäten der Bruch passierte, aber er ist gesplittert und ich wollte das so niemals haben.

Heute ist ein besonderer Tag, denn ich bin schlecht gelaunt, aber nicht am Boden zerstört und kann meine Umwelt klar reflektieren, während der flüssige Scheiblettenkäse in meinem gebrochenen Nagel fest wird. 

 

 

Ich bin manchmal frustriert. Ich möchte nicht zufrieden sein mit meinem Leben uns mit gewissen Umständen, die es kreativen Menschen in dieser Gesellschaft nicht einfach machen sich nicht bedingungslos der Frustration zu unterwerfen, um dann nur noch in Björk-Klamotten auf der Strasse zu flanieren oder mit ihrem Streichorchestern, die Songs der DSDS Gewinner zu covern, um "ein Zeichen zu setzen".

Ich bin nicht der Typ Mensch, der irgendwann vor einer Statue enden möchte, die ich Kunst nenne, die aber eigentlich nur ein überdimensioniertes Kastenbrot ist. Ich will nicht in teuren Printmagazinen auf hochglanzgewichsten Fotos mit wirren Haaren zu sehen sein, wie ich eine Rose aus Wurst für Christoph Schlingensief niederlege. 

 

Aber machen wir uns nichts vor, die Gesellschaft will den Künstler liebend gerne als Freund haben, sie will sich mit ihm schmücken und ihren Freunden erzählen, dass sie jemanden kennt, der "das alles" macht, aber bezahlen möchte die Gesellschaft dafür in den meisten Fällen nicht. Aber dann kam der Hunger.

 

Wenn man jahrelang beobachtet, wie andere Menschen in Urlaub fahren, in Restaurant gehen, sich Fahrräder kaufen oder einfach eine Limo beim Späti erwerben ohne sich zu überlegen wie man mit 5 Euro 14 Tage überlebt. Für mich ist dieses Leben nicht normal. Ich fahre seit Jahren nicht in Urlaub, ich besuche meine Familie nicht, weil ich mir die Reisekosten nicht leisten kann, denn ich habe schlicht und einfach kein Geld. Ich kaufe die billigsten Klamotten, und das auch nur, wenn mir etwas kaputtgeht. Ich habe einen Monat lang geweint, weil mein Fahrrad gestohlen wurde und ich mir kein neues gebrauchtes Rad für 20 Euro kaufen konnte. Ich verfüge über dieses Geld nicht. Alles was für die meisten Menschen selbstverständlich ist, ist für mich ein kleines Wunder.

 

Ich prangere an dieser Gesellschaft eine besonders hässliche Eigenschaft an: Menschen werden bezahlt um eine bestimmte Zeit ihres Lebens jeden Tag an einem bestimmten Ort zu verbringen. Nennt sich auch Festanstellung. Das Konzept "Zeit gegen Geld" ist für mich ein unsinniger Auswurf unserer Gesellschaft, der die falschen Menschen bevorteilt. Dennoch sehne ich mich nach Sicherheit. Ich möchte einfach die Gewissheit haben im nächsten Monat meine Krankenkasse bezahlen zu können und genug Geld für ein paar Nudeln und Billigbier bereitstellen zu können.

In letzter Zeit bekomme ich häufig Stellenangebote und Nachfragen, die mir schmeicheln und ich spiele mit dem Gedanken meine Energie in ein Team zu stecken und gemeinsam an einem Ziel zu arbeiten.

 

Langsam kommt aber auch mein Geschäft ins Rollen. Mehr und mehr Aufträge flattern rein. Dieser Monat ist der Stichmonat. Mein Business hat nicht zuletzt durch meinen Textkrieg-Blog endlich Fuss gefasst. Menschen erfahren endlich, dass ich Dienstleistungen anbiete. Ich habe mir mit harter Arbeit und freier Schnauze einen Ruf erworben. Und vielleicht werde ich mir zu meinem Geburtstag in zwei Wochen mein eigenes Fahrrad für 200 Euro gönnen, den Rest spare ich, denn ich weiß gar nicht wohin mit so viel Geld. Vielleicht ist ja doch noch alles gut geworden und ich werden von den äußeren Umständen gezwungen wieder gut gelaunt sein.